[03-12-2007]
Die Straßen rund um unser Spital in Endulen waren so kaputt, dass niemand von uns auf die Idee käme, dies Straße zu nennen.
Da fand ich im Spital ein Dokument, dass die Nationalpark Behörde für die Erhaltung der Straßen zuständig sei. So schrieb ich ein E-Mail an diese Behörde, ich hätte dieses Dokument gefunden, unsere Straßen wären total kaputt, ich möchte sie bitten die Straßen zu sanieren.
Ich bekam eine höfliche Antwort, wir trafen uns, wir diskutierten die Möglichkeiten und – es tat sich nichts. Ich blieb dran und schrieb wöchentlich ein, zwei E-Mails. Ich bekam höfliche Antworten und – es tat sich nichts.
Nach einem Monat schrieb ich, dass meine Strategie – mit Höflichkeit das Problem zu lösen – offenbar die falsche sei. Ich müsse nun meine Strategie ändern. Ab jetzt werde ich mit den Zeitungen reden. Nicht mit den Zeitungen in Tansania, sondern mit denen in Europa, »wo Eure KundInnen herkommen«.
Zwei Tage später kamen sie und richteten die Straße. Wunderbar. Die Wege sind nun passierbar. Eine Riesenerleichterung für das Spital und auch für die Patienten.
Warum schreib ich das?
Erstens, weil es zeigt: die Macht der KonsumentInnen ist eine Macht. Fairness ist möglich, wenn uns nicht alles wurscht ist, wenn wir uns auf die Füße stellen. Aufrecht auf den Füßen zu stehen ist eine Spezialität des Menschen. Jede Verkrümmung schmerzt. Am Anfang mehr, mit Hilfe von Schmerztabletten aller Art gelingt die Gewöhnung. Versuche aller Art – aufrecht zu gehen und zu stehen – tun gut. Es fällt am Anfang vielleicht schwer, wird aber im Laufe der Zeit leichter. Sie vermindern den Bedarf an Schmerzkillern und stärken die menschliche Durchblutung. Mensch sein tut dem Menschen gut.
Zweitens: Die Veränderung beginnt im Kopf. Ahnungen klopfen ja immer wieder im Kopf an. Die Ahnung soweit verfolgen bis daraus ein Bild wird. Dem Bild folgen bis daraus eine Idee wird. Die Idee verfolgen bis daraus eine Tat wird. Und dann staunen, was alles ginge, wenn wir gingen. Was alles geht, wenn wir gehen.
Drittens will ich Euch berichten, was mit euren Spenden geschah. Die Photovoltaik Anlage in Wasso funktioniert hervorragend. Ludwig Mülleder und Hans Hammerschmied haben ihre Hightech Firma in Bad Leonfelden eine Weile allein gelassen und haben die Anlage perfekt installiert. Ein wichtiger Teil des Geldes kam von uns/von Euch. Danke Euch allen, danke Wick und danke Hans.
Die laufenden Löhne konnten im heurigen Jahr bezahlt werden. Ein nennenswerter Beitrag kam von Euch. Das hat einen Sinn. Die Leute arbeiten dort auch ohne Löhne. Jedoch leidet die Motivation und dann fängt eine Spirale nach unten an: kein Schulgeld, keine Schule, die Mangelernährung rückt nahe.
Nun hat das Spital bei mehr als 100 MitarbeiterInnen in Summe noch rund 35.000 Euro Lohnschulden aus dem Jahr 2006. Ich habe mir vorgenommen diese zu Weihnachten zu begleichen. Damit wird keine/r reich. Jedoch, es wird dem Betriebsklima im Spital gut tun und den Familien wird es auch helfen.
Wenn ich auf unser Spendenkonto blicke, dann geht sich das noch nicht aus. Wenn ich aber an Dich und an Euch denke, dann hoffe ich, dass sich das bis Weihnachten ergeben könnte.
Ab Mitte November werde ich wieder für drei Monate in »meinen« Spitälern mitarbeiten. So wünsche ich Euch heute schon Frohe Weihnachten. Ein alter Zusatzswunsch hieß: Und Frieden auf Erden. Schön wär’ es schon.
Heini
PS: Die Spendenkontonummer steht da unten. Ich darf im Namen von 200.000 Maasai danken, für die diese zwei Spitäler die einzigen Gesundheitseinrichtungen auf einer Fläche von 20.000 km2 sind.
Hier im Maasailand verhält es sich mit der Armut so: Zuerst ist es ziemlich gemütlich. Die Wiesen sind grün, die Kühe satt, die Milch fett und stark, und alle sind zufrieden. Dann kommt die Trockenzeit. Wenn die zu lange dauert, kommt die Dürre. Auch hier redet man vom Klimawandel. In der Dürre geben die Kühe kaum mehr Milch – Milch ist das Hauptnahrungsmittel der Maasai – und viele Rinder gehen zugrunde. Da fängt die Unterernährung an. Unterernährung macht schwach und anfällig für alle möglichen Krankheiten.
In Tansania kommt auf rund 20.000 Einwohner ein/e ÄrztIn.
Hier, in diesem Teil des Maasailandes, kommen gegenwärtig auf 200.000 Einwohner eine Ärztin und drei Ärzte.
Unsere Spitäler litten ein halbes Jahr unter Geldmangel. Auch eine Art Unterernährung. Seit Dr. Watschingers Zeiten wurden die Spitäler von der österreichischen Entwicklungshilfe unterstützt. Im Sommer 2006 stellte die österreichische Regierung ihre Unterstützung ein. Die Spitäler konnten die Gehälter nicht mehr bezahlen. Wie in Österreich auch, müssen die guten, die besser Qualifizierten, nicht lange suchen. Schnell haben sie einen neuen Job. Das verstärkt die Krise.
Tansania gibt 45 Prozent seines Staatshaushaltes für den Schuldendienst aus, aber nur 15 Prozent für Gesundheit und Soziales.
Als ich letzten Dezember ankam, fand ich die Spitäler in einer ernsthaften Krise. Schnell fing ich an Briefe zu schreiben, schnell kamen die ersten Spenden. Mit dem brennstoff habe ich Glück. Denn so erreiche ich Euch, unsere brennstoffleserInnen. Mit euren Spenden konnten wir wieder einen Rhythmus in die Bezahlung der Löhne hineinbringen und einige drückende Schulden tilgen. Es ist wirklich wieder eine Aufbruchsstimmung da. Mit dem brennstoff konnte ich meine Reichweite erweitern und mit dieser brennstoffenergie kam starker Rückenwind.
Eure Hilfsbereitschaft, Eure Spenden (die Kontonummer steht ganz unten, bitte)!
Es ist ein tolles Erlebnis, im Zentrum einer Sache zu stehen, wo Schenken der Auslösefaktor Nummer eins ist. Fast täglich treffen daheim Spenden ein, die wir hier im Spital in Form von Betreuung, Medikamenten und Pflege weitergeben können.
Siehe da: Plötzlich finde ich einen Spendeneingang in der Höhe von 10.000 Euro, Einzahler: Kurt Baier.
»Kurt Baier«, fragte ich mich, kenn’ ich den? Ich hatte vor mehr als 20 Jahren Kontakt zu einem Kurt Baier. Dieser Kurt hatte immer etwas am Laufen mit alternativen Energien. Alles klang sehr durchdacht und ausgeklügelt. Aber dieser Kurt hatte nie Geld.
Prompt war es dieser Kurt. Er hatte tatsächlich nie Geld. Bis er mit zwei Freunden eine Firma gründete, die sehr erfolgreich wurde, indem sie sein Know-how in Sachen Alternativ-Energien verwirklichte. Mit dem ersten überschüssigen Geld...Kurt erzählt es in seinem Email selber:
Heini, ganz kurz mein Weg. Ich stand am Anfang der österreichischen Solarfirmen, habe einige Ortswärmeversorgungen in Oberösterreich geplant, die zu technischen Lehrbuchbeispielen wurden, bis mich einer abgeschossen hat (1 Million ÖS Schulden).
Vor 10 Jahren wurden zwei Wegegefährten von mir beim großen Holzkesselhersteller Fröling gekündigt.
Dies war für uns die Chance Holzkessel zu bauen, ohne dass uns wer dreinredet. Inzwischen bauen wir jährlich 10.000 Stück.
Unser Unternehmen hat einen schönen Namen, ETA für Wirkungsgrad, und so heißt auch eine Untergrundbewegung im Baskenland (unsere Kessel werden in Österreich vom großen BUDERUS vertrieben).
Wir haben Erfolg. Eine kleine Scheibe dieses Erfolges habe ich jetzt für Dein Afrika-Projekt gespendet.
Warum gerade dein Projekt? Wirklich Zufall oder doch von oben gelenkt?
Du kennst die Debatten zum Thema Entwicklungshilfe. Alles ist falsch und Betrug ... hilft nur uns im Westen ...
10.000 Euro, fast soviel habe ich für einen Urlaub mit meinen großen Kindern in Ägypten ausgegeben. Wenn ich so viel für einen Urlaub ausgeben kann, dann ist jede theoretische Debatte zu Hause am schönen Küchentisch über Sinn und Unsinn von Spenden an die Armen in dieser Welt nur eine Quelle für faule Ausreden. Ich habe für mich beschlossen, nach einem »persönlichen Projekt« Ausschau zu halten. Bevor ich noch irgend welche Kriterien für die Suche in meinem Hirn entwickelt hatte, fand ich einen Zeitungsartikel über Dich und das Spital in Tansania. Dann war es für mich einfach: ein Projekt von Dir ist sicher ein positiver Schritt in dieser weiten Welt. Dein Projekt ist für mich die Chance, ein kleines bisschen zu helfen, ohne dass ich mir dabei das Hirn auskegle.
Lieber Heini, wenn Du es im Waldviertel geschafft hast, schaffst Du es auch in Tansania. Kurt Baier
Danke Kurt!
Danke auch jeder noch so kleinen Spende!
Nächste Woche kommt Erwin Vitovec, ein herausragender Mitarbeiter meiner Steuerberater Andrea und Christian Klausner.
Im April habe ich für das Wasso Hospital einen neuen Buchhalter gefunden. Umgehend haben wir dort ein modernes Buchhaltungssystem eingeführt. Joshua hat in der Zwischenzeit ein ganzes Jahr nachgebucht. Nun werden wir gemeinsam mit Erwin aus Wien Übersichten und Auswertungen entwickeln, die für Kontrolle und Planung vernünftige Werkzeuge sein sollen.
Ich war so berührt, als mir Andrea und Christian Klausner von der HFP Steuerberatungskanzlei ihre Hilfe angeboten haben. Erwin reist auf ihre Kosten. Ihre Kanzlei wird für diese Spitäler das Controlling machen, denn Thomas Hölzl, ein Superkönner am Computer, wird die Rechner so herrichten, dass wir von Wien aus in die Buchhaltung von Wasso reinschauen können. Danke Andrea, danke Christian, danke Erwin und Thomas.
Am Tag, wo dieser brennstoff gedruckt wird, kommt Ludwig Mülleder nach Wasso.
Ludwig betreibt mit seinem Partner Hans Hammerschmid im Mühlviertel eine richtige HiTech-Schmiede. Nun kommt Ludwig zu uns nach Tansania und installiert die Photovoltaik-Anlage, die er geplant hat und die eine amerikanische Aidshilfe-Organisation, holländische Freunde und wir finanziert haben.
Ludwig will, dass diese Anlage auch für Europa beispielhaft sein soll. Danke, Ludwig!
Ein Wind alleine ist wenig, erst durch die gesammelte Kraft der Winde entsteht Musik. So ist es. Alleine könnte ich da nicht viel bewirken.
1820 besaß das reichste Fünftel der Welt nur das Dreifache dessen, was das ärmste Fünftel besaß.
1970 war es das Siebenfache,
1990 das Dreißigfache,
2000 das 74-fache.
Wir sind noch lange nicht am Ziel. Die Richtung jedoch stimmt und überall ist wieder eine Aufbruchsstimmung zu spüren. Danke im Namen der Spitäler, vor allem aber im Namen der 200.000 Maasai, die auf 20.000 qkm keine andere medizinische Infrastruktur haben als diese zwei Spitäler.
Angesichts der Tatsache, dass täglich 15.000 Kinder und 50.000 Menschen infolge extremer Armut sterben, müssen wir uns dem stellen, dass wir irgendwann gefragt werden: Was habt ihr eigentlich dagegen getan?
Wir werden nicht daran gemessen, dass wir das Internet erfunden haben, zum Mond geflogen sind und 34.000 Fernsehkanäle entwickelt haben, sondern wir werden daran gemessen, was wir wirklich getan haben. Es täte uns gut, endlich zu begreifen, dass wir in einer großen Welt leben. Diese Verantwortung tragen wir alle gemeinsam. Das macht Spaß. Das kann einem gut tun. Es gibt dem Leben einen Sinn, nicht nur als Einzelkämpfer durch die Welt zu rasen, sondern das Gefühl zu haben, dass ich zusammen mit anderen etwas tun kann.
Herbert Grönemeyer
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