[16-02-2009]
Ich habe es im letzten brennstoff schon erzählt, dass wir mit Claude Rieser einen tollen Geschäftsführer in Wasso Hospital haben. Nun sind Dinge möglich, die vorher nicht möglich waren. Mit Hertha Schwaighofer, einer Salzburgerin und mit Lemayan Kudutu, einem jungen, hervorragend Englisch sprechenden Maasai, haben wir ganz hervorragende, kundige und liebenswürdige Reisebegleiter und -leiter.
Wir betrachten es als ein Ziel der Regionalentwicklung einem sanften Tourismus in dieser wunderschönen, interessanten Gegend auf die Beine zu helfen. Wer sich dafür interessiert, schreibt mir bitte an heini@gea.at. (Ein Teil der Reisekosten kommen unseren Spitälern zugute.) Aber lies doch zuerst den Reisebericht von Gusti Sockel.
Heini

Reise nach Tansania Arusha 5. August 2008: Hier sind wir mit dem Flugzeug gelandet, hier werden wir unsere zwölftägige Rundreise starten. Wir – um es allemal zu klären – sind zwei Paare und zwei Jungs, 14 und 15. Das Besondere dieser Reise wird sein, dass uns drei Menschen begleiten, die uns gleich von Anfang an so herzlich und freundschaftlich empfangen, dass das Reisefieber einer freudigen Erwartung Raum geben kann. Sie sind keine Profis und doch viel professioneller. Von Anfang an fühlt es sich in unserer Gruppe an wie in einer Familie. Außerdem erfüllt uns die Gewissheit, dass ein Teil unseres Reisbudgets den Maasaispitälern zugute kommt, mit Zufriedenheit.
Im Meru Inn in Arusha schreiten wir gewissermaßen durch das Tor zu Afrika. In seinem Flair lassen wir Afrika auf uns wirken, ehe wir die Zivilisation verlassen.
In Mto wa Mbo, einem kleinen Städtchen westlich von Arusha, tauchen wir tiefer in die afrikanische Lebenskunst ein. Das Kochen eines vielgängigen Kishueli Menüs auf dem offenen Feuer, das Brauen des beliebten Bananenbiers, das Schnitzen der afrikanischen Gottheiten und das Malen der Tinga Tinga Bilder erleben wir life, als würden wir durch einen Film spazieren.
Danach verlassen wir die Asphaltstraße und fahren im Geländewagen in die Welt der Maasai. Im Ngorongoran Krater beeindruckt uns zunächst die artenreiche Tierwelt, die sich hier wie in einem Bilderbuch zeigt. Wir widmen uns voller Hingabe der Betrachtung, während der Wagen langsam durch die Landschaft fährt. Sonnenuntergang über Endulen – dem ersten Maasaispital, in dem wir übernachten – und eine Wanderung zu einer Boma – einem Maasaidorf - folgen und intensivieren den Tiefgang. Kein Bild dieser Welt kann das Erlebnis ersetzen, selbst in einer Maasaihütte zu sitzen. Die Dunkelheit, der in die Nase ziehende Rauch der offenen Feuerstelle, der Geruch nach Kuh und Dung, die tiefen Laute ihrer Sprache und mittendrin unser unermüdliches Staunen und Fragen, verdichten die Atmosphäre zu einer traumhaften Wirklichkeit.
Dann weiter an den Rand der Serengeti, einer schier grenzenlosen Weite, in eine schöne afrikanische Lodge, inmitten dieser herben Wildnis. Und wieder speist die Szene das Klischee – Rotwein draußen am Feuer sitzend. Über uns ein tiefschwarzer Himmel mit Milliarden funkelnder Sterne, das grandiose Abendessen nach der eintönigen Fahrt erzeugt das Gefühl des wohlig Gesättigtseins. Den Luxus kann man gar nicht wirklich fassen. Soeben waren wir noch in der lichtlosen Boma aus Ästen und Kuhdung – diesen Kontrast selbst zu erfahren, empfinden wir als ungeheures Privileg.
Weiter ziehen wir im Land der Maasai. Kommen nach Wasso in das zweite und größere Maasaispital,
wandern dort mit unserem jungen Maasaibegleiter, lernend wie sie die Pflanzen ihrer Heimat nützen. Auch in ein Dorf der Sonjos wandern wir und lernen dort die Lebensweise dieses Stammes kennen. Die Kraft menschlicher Zuwendung krönt hier das Erleben.
Dann am Lake Natron die heißen Quellen und das Meer der Flamingos und nach einem erquickenden Schlaf im Zelt die Kletterei zu den schönsten Wasserfällen, die wir je erlebt haben. Schwer zu glauben, weil sie quasi in der Wüste liegen. Aber so ähnlich könnte es im Paradies gewesen sein.
Unser letztes Ziel im wilden Maasailand erreichen wir nicht. Eine Autopanne vereitelt den Plan, führt uns jedoch zu Brother Francis nach Engeruka. Diese 94 jährige Legende zeigt uns in aller Bescheidenheit Lebenskraft als Produkt der Willensbildung.
Wir verlassen Afrika wieder durch das Tor, durch das wir es beschritten haben. Dieselben allerdings sind wir nun nicht mehr. Wir sind reich geworden.
Gusti Sockel
