[29-05-2007]
Ich habe es schon im letzten brennstoff erzählt, dass ich in zwei Spitälern in Tansania mitarbeite, die der österreichische Arzt Dr. Herbert Watschinger in den 60er und 70er Jahren errichtet hat. Es ist mir eine Lebensfreude, dass ich nach 33 Jahren dorthin zurückkehre und dort etwas Sinnvolles machen darf. Von allem Anfang an war »Völkerfreundschaft« und »Geld oder Leben« eine fixe Einrichtung im brennstoff. Durch meine Mitarbeit dort unten ist das alles ganz konkret geworden. Diese Spitäler brauchen Geld. Haben sie keines, sterben die Leute an »harmlosen« Krankheiten.
»Im Jahr 2003 belief sich die öffentliche Entwicklungshilfe der Industrieländer des Nordens für die 122 Länder der Dritten Welt auf 54 Milliarden Dollar. Im selben Jahr haben diese Länder den Kosmokraten der Banken des Nordens 436 Milliarden Dollar als Schuldendienst überwiesen«, schreibt der UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, in seinem Buch »Das Imperium der Schande«. Wenn man sich den obigen Absatz vergegenwärtigt, beginnt man zu ahnen, dass sich das volkswirtschaftlich nicht ausgehen kann. Man ahnt auch, dass Geld kein Tausch(wert)instrument ist, sondern ein blankes Herrschaftsinstrument, das Abhängigkeiten ohne Armeen schafft. Wir sind alle mitgefangen in diesem System einer strukturellen Gewalt, die keine andere Gewalt braucht als die Verschuldung. Das oben zitierte Buch von Jean Ziegler hilft dies zu verstehen.
In brennstoff Nr. 7 druckten wir meinen ersten Hilferuf. Seit damals kommen laufend Spenden daher, die unser Projekt unterstützen. So will ich an dieser Stelle DANKE sagen, denn eure Spenden haben es für’s Erste ermöglicht, dass wir die allernotwendigsten Lebensmittel und Arzneien wieder besorgen konnten. Auch die Gehaltsrückstände konnten wir bezahlen. Apropos Gehaltsrückstände: wenn die Löhne nicht bezahlt werden, dann können unsere Spitalsangestellten das Schulgeld für ihre Kinder nicht zahlen; wenn das Schulgeld nicht bezahlt wird, dann können die Kinder nicht in die Schule gehen; wenn die Kinder nicht in die Schule gehen,... Nun drucke ich in brennstoff Nr. 8 meinen zweiten Hilferuf. Es geht wieder ums Geld. Diesmal geht es aber auch um Fachleute. eim Geld versuchen wir die Nationalparkbehörde (NCAA, Ngorongoro Crater Area Authority) zu überzeugen, dass es sinnvoll und notwendig (es könnte die Not wenden) ist, dass sie bei der Eintrittskarte in den Ngorongoro-Krater einen Dollar draufschlagen sollen »for the health of the people«. Noch reagieren sie wie reiche Hoteliers in Kitzbühl oder Marbella, die sich nichts dreinreden lassen wollen und sich »für die Gesundheit der Menschen« auch nicht zuständig fühlen. Ich versuche sie davon zu überzeugen, dass die Touristen diesen einen Dollar pro Tag gerne zahlen werden, da man als Afrika-Reisender instinktiv spürt, dass diese Armut irgendwie mit unserem Reichtum in Zusammenhang steht. Also, da bleiben wir dran. Jedes Mal, wenn ich beim Nationalpark-Hauptquartier vorbeikomme, klopfe ich dort an und werbe für diese Aktion. Es ist aber klar, dass das eine längere Reise wird.
So müssen wir (ich bin Gott sei Dank nicht allein) für den laufenden Betrieb der Spitäler monatlich rund 10.000 Euro zuschießen. Instandhaltung oder Verbesserung der Infrastruktur ist damit noch keine bezahlt. Jetzt ist was Tolles passiert: Eine amerikanische Hilfsorganisation hat Geld hergegeben, um die Infrastruktur für die Aidstherapie zu verbessern. Da braucht es etliche Laborgeräte und Kühlgeräte, die Strom brauchen. Also brauchen wir Strom. Strom aus der Sonne. Diese Hilfsorganisation zahlt 70 Prozent für tolle Photovoltaik-Anlagen. Die fehlenden 30 Prozent machen rund 40.000 Euro aus. Mir macht es eine Freude, dass ich das im brennstoff kommunizieren kann. Gemeinsam (ohne eure Hilfe ginge nichts) ermöglichen wir den laufenden Betrieb der Spitäler. Mit der Hilfe vieler SpenderInnen werden wir auch die fehlenden 40.000 Euro für die Solarstromanlage aufbringen. Das ist eine wunderbare Sache.
Ja, Personal fehlt auch. Und wieder spielt Geld eine Hauptrolle. Denn qualifiziertes Personal kann sich dort, wo mehr Geld ist, mehr Geld holen. Natürlich. Der Landesrat für Gesundheit in Arusha, Dr. Kingori, sagte mir, er habe gelesen, dass in England mehr Ärzte aus Malawi arbeiteten als in Malawi. Er kenne die genauen Zahlen aus Tansania nicht, aber auch Tansania verlöre viele Fachleute an die reicheren Länder in- und außerhalb Afrikas. So habe ich Dr. Kingori gefragt, wie lange es dauern würde für einen Arzt/ für eine Ärztin, für eine Krankenschwester/einen Krankenpfleger ... eine Arbeitsbewilligung zu erhalten? Er meinte zwei Wochen, denn in ganz Tansania herrsche ein akuter Mangel an medizinischen Fachkräften. Und sollte es doch länger dauern, dann würde er mir helfen. Außerdem brauchen wir Fachleute für Haustechnik. Am besten wären so geschickte Menschen, die auch die medizinischen Geräte warten können. Florian, ein junger Deutscher, wird nach zwei Jahren Afrika wieder heim gehen. Wir werden seine Fähigkeiten beim Computerunterricht und in der Kommunikation vermissen. Auch da brauchen wir Ersatz. Für wie lange? Wenigstens ein Jahr! Denn es dauert eine Zeit, bis man drinnen ist. Und wenn man drinnen ist, dann soll man drinnen sein und nicht gleich wieder gehen. Länger wäre gut. Wenn Du Dich angesprochen fühlst, dann bitte ich Dich, schreibe mir:
heini@gea.at oder an: Heini Staudinger, Lange Gasse 24, 1080 Wien. Mehr Geschichten über Heinis Reise durch Afrika, die Spitäler in Endulen und Wasso und über die Verwendung der Spenden werden wir im nächsten brennstoff berichten.